Allgaier und Porsche-Diesel Traktoren

Traktoren von Allgaier: Eine Erfolgsgeschichte

Der erste Allgaier Schlepper, der weitgehend dem späteren Allgaier R18 entsprach, wurde bereits 1946 gebaut. Auf Grund von Restriktionen durch die amerikanische Militärregierung war eine Serienfertigung für Allgaier allerdings nicht möglich, sowohl in rechtlicher Sicht als auch bezüglich der Zuteilung von Resourcen. Die Firma des Schwiegervaters von Erwin Allgaier, Carl Kaelble, hatte vor dem Krieg schon Schlepper gebaut und somit eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Aus diesem Grund wurden die ersten Allgaier Schlepper mit dem Schriftzug der Firma Kaelble auf dem Wasserkasten gebaut.

Auf der DLG-Ausstellung in Frankfurt wird 1950 der luftgekühlte Allgaier AP17 erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Grundlage für diesen Schlepper war die Konstruktion eines "Volksschleppers" von Ferdinand Porsche. Dies wird auch durch den Schriftzug "System Porsche" auf der Motorhaube zur Geltung gebracht. Durch überragende Technik (Leichtbauweise, ölhydraulische Kupplung, Luftkühlung, etc.) und einem sehr niedrigen Anschaffungspreis wurde der Traktor zu einem richtigen Erfolg. Beflügelt durch diesen Erfolg wurde bei der Konstruktionsabteilung von Porsche eine neue Modellreihe in Auftrag gegeben. Hieraus wurden die luftgekühlten Allgaier A111, A122, A133 und A144 Traktoren. In diesem Jahr erreicht Allgaier auch Platz 2 in der Zulassungsstatistik.

Im Jahre 1955 musste sich Allgaier zwischen dem Werkzeugmaschinenbau und dem Schlepperbau entscheiden. Durch sinkende Rendite, einen gesättigten Markt und Problemen mit der Qualitätskontrolle der Traktoren, fiel die Entscheidung zu Gunsten des Werkzeugmaschinenbaus. Zum 1. Januar 1956 übernimmt Mannesmann den Schlepperbau und das Werk in Friedrichshafen von Allgaier. Durch eine Zusammenarbeit von Mannesmann und Porsche entsteht die Porsche-Diesel Motorenbau GmbH mit Sitz in Friedrichshafen.

 

Allgaier R18 von 1951

Allgaier R18 von 1951

 

Porsche-Diesel: Moderne Technik und guter Service

Porsche-Diesel Super L 318
Porsche-Diesel Super L 318

 

 

Nach der Übernahme der Traktorenproduktion durch Mannesmann im Jahr 1956 wurden im gleichen Jahr die Werkshallen erweitert. Die Traktoren wurden in Porsche-Diesel und die Typen in P111, P122, P133 und P144 umbenannt. Das AP steht nun nicht mehr für Allgaier-Porsche, sondern für Aluminium-Porsche. 

Durch erstklassigen Service, mit Schulungen der Werkstattmitarbeiter im Werk in Friedrichshafen und die Einführung der blauen VW-Service-Busse, und einer ausgefeilten Marketingstrategie, schaffte man es im Jahr 1958 wieder auf den zweiten Platz in der Zulassungsstatistik hinter Deutz. Um die restlichen Lagerbestände des 4-Gang-Wendegetriebes, welches im Allgaier A111 und Porsche-Diesel P111 verbaut wurde, los zu werden, wurde der Porsche-Diesel Junior 4 gebaut. 

Im Jahr 1959 konnte Porsche-Diesel wieder den zweiten Platz in der Zulassungsstatistik hinter Deutz erzielen. Grundlage für diesen Erfolg waren sicherlich eine in diesem Jahr erfolgte Modellpflege und die durch die optimierte Fließbandproduktion gesunkenen Preise der Schlepper. Über die Hälfte der verkauften Traktoren waren 1-Zylinder-Modelle.

Dies wurde 1960 zum Problem, da Hersteller von eher größeren Traktoren (Deutz, IHC, etc.) nun verstärkt im Segment der Kleinschlepper mitmichten. Verschäft wurde das Problem durch einen Rückgang im Bedarf an diesen Kleinschleppern. Als Resultat konnte Porsche-Diesel in diesem Jahr nur noch den vierten Platz in der Statistik erreichen. Da die Entwicklung des T25-Getriebes zusammen mit Deutz noch nicht fertig gestellt war, hatte man mit einem auf dem Markt verfügbaren Getriebe und einem verbesserten AP 17-Motor einen günstigen 20 PS-Schlepper im Frühjahr 1960 präsentiert: den Standard T 217. Im September 1960 konnte dann endlich nach dreijähriger Planung der Porsche-Diesel Standard Star 219 vorgestellt werden. Im gleichen Jahr wurden der Super L 318 und der Master 418 eingeführt mit dem A216-Getriebe von ZF. Auch hier konnte durch den Zukauf der Getriebe, anstatt einer eigenen Entwicklung, Geld eingespart werden.

Trotz der neuen Modelle war die Konkurrenz zu stark und so wurde nach Möglichkeiten gesucht das Werk in Friedrichshafen wieder auszulasten. 1962 schien man den Ausweg mit dem Aufkauf von MAN gefunden zu haben. Geplant waren Porsche-Diesel mit MAN-Motoren und Allrad-Antrieb. Darüber hinaus wollte man freie Kapazitäten in der Produktion unter anderem an Daimler-Benz als Lohnfertigung zur Verfügung stellen. Die endgültige Ausführung der Pläne bestand jedoch in der Übernahme des Vertriebsnetzes und der Restbestände der Porsche-Diesel Motorenbau GmbH durch die neu gegründete Porsche-Diesel Renault Vertrebs GmbH und der Übernahme der Fabrikationshalle durch Daimler-Benz. 

 

Die Geschichte der Allgaier und Porsche-Diesel Traktoren

1930: Ferdinand Porsche eröffnet sein Konstruktionsbüro in Stuttgart.

1937: Die Entwicklung des „Volksschleppers“ wird in Auftrag gegeben (in Analogie zum „Volkswagen“).

1949: Die während dem Krieg zum erliegen gekommene Entwicklung und Produktion des „Volksschleppers“ bekommt neuen Wind, nachdem Allgaier die Lizenz zum Bau von „System Porsche“-Traktoren erwirbt – der AP 17 wird geboren.

1950: Allgaier übernimmt das ehemalige Dornier-Werk in Friedrichshafen und baut dort ein Werk für die Traktorproduktion auf.

1951: Ferdinand Porsche stirbt am 30. Januar.

ca. 1955: Allgaier muss investieren und sich entscheiden: Werkzeugbau oder Schlepperbau?

1955: Hofherr-Schrantz übernimmt erhält die Lizenz zum Vertrieb und Bau von Allgaier Traktoren (später auch Porsche-Diesel Traktoren) in Österreich.

1956: Mannesmann übernimmt am 1. Januar die Traktorproduktion von Allgaier und gründet dafür die Porsche-Diesel Motorenbau GmbH. Es folgt die Erweiterung der Werkshallen um 16.000 m².

1957: Die Bezeichnungen „Junior“, „Standard“ und „Super“ werden geboren. Ab diesem Zeitpunkt werden die alten Bezeichnungen „111“ bis „133“ nicht mehr verwendet.

1958: Die Bezeichnung „Master“ folgt für „144“. Eine Kooperation mit Deutz wird gestartet. Aus ihr geht das T25-Getriebe hervor, welches in den Modellen Standard Star und Super Export verbaut wird.

1962: Porsche-Diesel und Iseki starten eine Zusammenarbeit im Bereich Vertrieb und Lizenzbau.

1963: Ende der Porsche-Diesel Motorenbau GmbH. Die nicht verkauften Schlepper von Porsche-Diesel werden von der Porsche-Diesel-Renault-Vertriebsgesellschaft GmbH übernommen. Auch die Ersatzteilversorgung wird für eine gewisse Zeit übernommen. Ziel dahinter war die Übernahme eines vorhandenen Händlernetzes, um die Renault Schlepper besser verkaufen zu können. Das Werksgelände wird von der Mercedes-Benz Motorenbau GmbH übernommen.

1964: Nun ist auch der letzte Porsche-Diesel verkauft worden.

1969: Daimler-Benz, MAN und MTU München schließen einen Vertrag aus dem die MTU Friedrichshafen hervorgeht. Bis heute existiert diese auf dem Werksgelände der Porsche-Diesel Motorenbau GmbH.